~ ridiculous thoughts ~

...über die Relativität der Dinge...

Hallo Welt,

 

mein heutiger Gedanke widmet sich Veränderungen, die das Leben so mit sich bringt - seien sie positiv oder negativ.

 

Man kennt das - da passiert etwas Einschneidendes im Leben und auf einmal ändert sich alles. Wirklich alles. Man beginnt, zu hinterfragen, ob das, was man für sein Leben geplant hatte, eigentlich noch Wichtigkeit, und vor Allem auch noch Richtigkeit besitzt, ob das eigens abgesteckte Maß aller Dinge wirklich noch so unantastbar ist und hinterfragt sich selbst - manchmal so weit, dass man sich beginnt, Gedanken darüber zu machen, ob man überhaupt weiß, wer man selbst ist...

 

Irgendwie geht man davon aus, dass das Leben zwar passiert, man selbst aber doch ziemlich statisch in den eigenen Schuhen steckt: Man hat bestimmte Angewohnheiten, wie etwa morgens einen Espresso zu trinken, abends bei Kerzenschein ein Glas Wein zu genießen, aber auch Pläne zu schmieden. Pläne, die man dann nach den großen Hoppalas des Schicksals auch wieder überdenken, überarbeiten und über Bord werfen kann. Oder eben auch nicht.

 

Man plant mit dem Partner, etwas Großes zu unternehmen - später, wenn die Zeit dafür reif ist. Man plant vielleicht sogar, sich abzusetzen, nochmal komplett neu anzufangen. Vielleicht plant man, noch einmal ein "Revival" vergangener Zeiten starten zu wollen, einfach, weil es sich damals so wahnsinnig gut angefühlt hat.

 

Und dann, dann kommt auf einmal das Schicksal und schlägt gnadenlos zu, ohne Wenn und Aber. Für den Einen können das einfach nur Momente sein, in denen man auf einmal klar sieht und sich fragt "was mache ich hier eigentlich? Das war ja gar nicht mein Plan!", es kann auch passieren, dass man von einer langen Reise zurückkehrt und auf einmal merkt, dass das, was man zurückgelassen hat, auch wirklich in eine Kiste im Keller unseres Bewusstseins gehört. Und dann wiederum gibt es die ganz tragischen Fälle - den Verlust eines Partners, beinahe-Tode (Nahtoderlebnis klingt so esoterisch, den Begriff verwende ich nur äußerst ungern), Trennungen, Zerwürfnisse und Ähnliches. Und natürlich sind auch die ganz überwältigenden Erlebnisse nicht außer Acht zu lassen - wie etwa ein Sich-Verlieben, jemanden zu finden, von dem man weiß, man hat ihn sein ganzes Leben lang gesucht, oder auch nur ein kleiner, perfekter Moment, der einen aufhorchen lässt - wie etwa ein Regenbogen in einem Augenblick, in dem wir gerade um Hoffnung ringen, oder eine Blume, die sich mühsam durch den Asphalt gekämpft hat und unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht.

 

Ganz plötzlich beginnt es dann im Hirn zu rattern - und man fragt sich, wie sinnvoll das ist, wofür man Zeit seines Lebens gekämpft hat, wenn dieser eine Parameter im Leben, dieses eine wichtige Ding, für das man immer die Zähne zusammengebissen und weitergemacht hat, auf einmal weg ist. Man ist von Heute auf Morgen ein anderer und erkennt sich vielleicht nur noch im Spiegel, und selbst das mit eher fragendem als feststellendem Blick.

 

Ich frage mich heute, wie man mit solchen Situationen umgeht - wenn man alles, was einmal wichtig war, auf einmal relativiert. Und ich bin fasziniert davon, wie wichtig wir Dinge nehmen können, die eigentlich komplett nebensächlich sind, wenn es einmal hart auf hart kommt. Wir glauben, zu wissen, wo unser Weg uns hinführt, doch nur ein Niesen des Schicksals genügt, um uns eines Besseren zu belehren und auf einmal ist alles anders.

 

Man beginnt zu begreifen - auch wenn es anfangs schwer fällt. Ihr fragt euch, WAS es zu begreifen gibt? Zuerst wohl, dass das Leben, so statisch wir es auch zu halten versuchen, immer ein dynamischer Prozess ist und es wohl am Schlauesten ist, sich genau dessen bewusst zu werden. Wir sind nicht hier, um ein Leben aus Langeweile, Stagnation, Abwarten und Teetrinken zu führen. Wir sind hier, um zu leben. Am Besten in jedem einzelnen Moment, sei er tragisch oder wahnsinnig erfrischend, belebend und extatisch.

 

Natürlich gelingt es uns leichter, letztere Augenblicke einzufangen - sie bleiben dafür allerdings meist weniger lang in unserem Gedächtnis. Wir haben uns offensichtlich selbst so manipuliert, dass wir ohne Schmerz nicht leben können und dem Schmerz eine viel größere Bedeutung beimessen als der Freude. Glaubt ihr nicht? Beispiel gefällig? Stellt euch vor, ihr habt einen Autounfall. (Geht noch ganz gut, oder?) Nicht so einen kleinen Blechschaden bei 30 km/h, so kurz vorm Einparken sondern so einen richtigen Crash, meinetwegen ein Knutschen mit einem LKW bei 120 km/h auf der Autobahn, mit einem Auto, das sich vor lauter Schreck ob des übertriebenen Liebesgeplänkels des Lasters noch an die Leitplanke drücken lässt (ja, sowas kann man überleben, man glaubt es kaum). Man wird sich immer mit Grauen an den Schreck erinnern, an den Schock, an den Schmerz, den man erlitten hat, weil man die Situation zum Verarbeiten wieder und immer wieder durchlebt. Ist ja auch in Ordnung, ohne Verarbeitung kein Weiterentwickeln.

 

Doch warum messen wir positiven Erlebnissen nicht dieselbe Wichtigkeit bei? Man hört von allen Seiten, man ändert sein Leben, weil man ein Trauma hat - dachtet ihr schon mal daran, euer Leben zu ändern, weil ihr etwas Neues erlebt habt, das euch rundum glücklich macht? (Und ich meine jetzt keine abgespaceten LSD-Trips oder sowas) Bleiben wir beim oben beschriebenen Unfall. Hinter euch sind zwei Autos, alle beide vollbepackt mit hilfsbereiten Menschen, die euch dabei helfen, mit den ganzen Formalitäten, die so ein Crash mit sich bringt, klarzukommen. Natürlich werdet ihr euch bedanken, vielleicht schickt man nochmal eine Postkarte, einen Blumengruß oder einen Fresskorb als Dankeschön, aber das wars dann wohl auch. Wäre es nicht viel besser, sich genauso intensiv damit zu beschäftigen, wie nett diese Menschen waren und sich immer wieder vor Augen zu halten, dass auch DAS Realität ist? Vielleicht packt man sich selber bei der Nasenspitze, bleibt das nächste Mal stehen bei jemandem, der eine Panne oder einen Unfall hat und fragt, ob man helfen kann (nein, das ist heute nicht mehr selbstverständlich - unterlassene Hilfeleistung ist ein Volkssport geworden). Vielleicht wird man dann ja im Geiste des Gegenübers genauso ein wichtiger, wertvoller Mensch und dann, ja dann hatte sogar der gesamte Unfall einen Sinn - abgesehen von Blechschaden, Blessuren und einem Haufen Bürokram, der Beamten, Versicherungsvertretern, Krankenhauspersonal und Anwälten die Existenz sichert).

 

Und wenn ihr euch genau diese Überlegung auf der Zunge (oder besser: am Hirnlappen) zergehen lässt, dann versteht ihr vielleicht, meinen heutigen Gedanken.

 

Manche Dinge im Leben werden relativ. Ein Unfall kann genauso seine positiven Seiten haben - ich musste beispielsweise einen haben, um neu zu lernen, dass ich noch am Leben bin; meine eigene, statisch-stoische Art zu leben war einfach nicht richtig für mich. Natürlich gibt es immer Dinge, bei denen man absolut keine Ahnung hat, wozu sie gut sein könnten, doch ich hoffe immer noch, mit jeder Veränderung, die ich selbst mitmache, dem Geheimnis ein bisschen mehr auf die Spur zu kommen und irgendwann das ein oder andere Warum? zu verstehen... Manchmal tut es weh. Sehr weh sogar. So weh, dass sogar die Härtesten unter uns in Tränen ausbrechen. Und andere Male ist es so berauschend, dass wir nicht wissen, wohin mit unserer Freude. Was auch immer aber passiert, wir sollten uns nicht darin verlieren - auch wenn wir alles über Bord schmeißen, neu anfangen und feststellen, dass das, worüber wir uns Sorgen gemacht haben, einfach nur lächerlich ist, weil sich Dinge ereignet haben, die einfach nur viel wichtiger sind.

 

Doch was auch immer passiert, wir sollten eines nicht vergessen... LEBEN!

 

20.6.10 11:31

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